Unterwegs auf historischen Wasserwegen
Kanal
paddeln? Und durch sieben Schleusen müssen? Das kann ja nur doof
sein… Doch wie es sich herausstellen sollte, ist der Elbe-Lübeck-Kanal
(ELK) gar nicht so schlimm.
Der ELK ist für die Binnenschifffahrt eine Verbindung zwischen
Ostsee und Elbe und führt über eine Länge von 62 km von
Lübeck nach Lauenburg. Er wurde im Jahre 1900 nach vier Jahren
Bauzeit von Kaiser Wilhelm II eröffnet, und ist somit fünf
Jahre jünger als der Nord-Ostsee-Kanal. Im Zuge des Kanalbaus wurde
auch die Trave im Lübecker Raum um- und zum Travekanal ausgebaut.
Von Travemünde kommend bin ich im Mai die Trave hinauf und nach
Lübeck hinein gepaddelt. Von den Wasserarmen,
die um die Altstadt herum laufen, ist die Kanaltrave der östliche
Arm. Sie zweigt bei der Burgtorbrücke (diese Hubbrücke
ist ein faszinierendes historisches Bauwerk) von der Stadttrave ab und
führte mich entlang alter Speicherhäuser. Nach ca. 1 km erreichte
ich die Umsatzstelle zur Wakenitz, die von der Wasserseite her nicht
weiter ausgeschildert ist. Der Holzsteg lud, trotz Nieselregens, zu
einer kleinen Pause ein. Mit Müsliriegeln und Tee frisch gestärkt,
ging es weiter entlang der südlichen Wallanlagen Lübecks und
einigen Paddel- und Rudervereinen. Trave-aufwärts folgte wenige
Kilometer westlich von Lübeck die Gabelung, wo die Kanaltrave vom
Flusslauf der Trave abzweigt.
Nun
in südlicher Richtung paddelnd, kam ich nach 300 m zum Ende der
Kanaltrave und dem Beginn der Kilometrierung der Binnenschifffahrtsstrasse
„Elbe-Lübeck-Kanal“. Nachdem ich die Vororte von Lübeck
hinter mir gelassen und die neue Autobahnbrücke der A20 unterquert
hatte wurde es ruhiger. Der Kanal – der gar nicht wie eine künstliche
Wasserstrasse wirkt – zieht sich leicht gewunden durch die hügelige
Landschaft. Die Ufer sind gesäumt von Wäldern, Wiesen und
Feldern. Es gibt keine Spundwände, nur manchmal sind alte Holzpfähle
zur Uferbefestigung zwischen dem Schilf und sonstigen Unkrautbewuchs
sichtbar.
Nun zu den Schleusen, die, rein hydraulisch betrieben,
damals zu Zeiten des Kanalbaus eine technische Neuheit waren. Von den
sieben Schleusen gehen die nördlichen fünf bergauf zum Möllner
Kanalabschnitt. Er liegt 12m höher und ist zugleich die Wasserscheide
von Ostsee und Nordsee. Die beiden sich südlichen anschliessenden
Schleusen setzen zum Niveau der Elbe hinunter:
Praktisch läuft das so ab, dass nur während der Schleusenbetriebszeiten
geschleust wird. Die sind von 8 bis 20 Uhr, bzw. bis 18 Uhr an Sonn-
und Feiertagen. So war es jedenfalls als ich unterwegs war (aktuelle
Infos gibt es im www unter dem Stichwort ELWIS). Umtragen ist an den
Schleusen so gut wie gar nicht möglich, ausser eventuell an der
Schleuse Berkenthin. Die Schleusenbenutzung kostet nichts, und die Schleusenwärter
melden einen, wenn man das möchte, bei der nächsten Schleuse
an.
Bei der Anfahrt an meine erste Schleuse (Schleuse Büssau)
sah ich schon von Weitem das grüne Licht zur Schleuseneinfahrt
und wie ein paar kleine Sportboote hineinfuhren. Also habe ich noch
schnell einen Schlag zugelegt, damit ich es noch schaffe. Doch als ich
nur noch ein paar hundert Meter entfernt war, schaltete es um auf rot
und die Schleusentore fingen an, sich lautstark zu schliessen. So ein
Mist. Aber dann hörte das Krachen der Tore auf einmal auf, und
durch den engen Spalt lugte der Schleusenwärter und winkte mich
heran. Er hatte mich im letzen Augenblick doch noch gesehen, super.
Ab dieser ersten Schleuse profitierte ich davon, dass ich bei der jeweils
nachfolgenden Schleuse angemeldet wurde und somit kaum Wartezeiten hatte.
An der Schleuse Berkenthin konnte ich übernachten,
direkt auf der Wiese des Schleusengeländes. Der Ort ist klein und
beschaulich und wirkt ganz verträumt und vergessen. Hinter meinem
Zelt spazierte abends Herr Adebar auf Froschfang vorbei. Doch wie mir
der Schleusenmeister erzählte, wird die neue Brücke über
den ELK die erste beheizte Brücke Deutschlands sein. Mit Geothermie
wird die Sohle der Fahrbahn auf 10 Grad erwärmt, sodass es kein
Glatteis mehr geben wird.
Der
ELK folgt zum Teil früheren Flussbetten (Delvenau und Stecknitz)
und quert mehrere Seen, so den Möllner Ziegelsee und bei Basedow
den Lanzer See. In Mölln habe ich beim Ruderverein
angelegt und bin auf einen kleinen Bummel durch die Till Eulenspiegel-Stadt
gewandert. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.
Bei Güster gibt es zahlreiche Baggerseen. Auf
Luftbildern (zum Beispiel bei Google Earth) erst erkennt man die Weitläuftigkeit
der fantastischen Seen-Landschaft. Die Seen sind teilweise auch vom
Kanal aus zugänglich, allerdings dröhnte von den dort ansässigen
Campingplätzen lautstarke Musike – das Vatertagsgrillen war
schon eifrig im Gange.
Die Baggerseen entstanden in früheren Zeiten
durch den Abbau von Kies, der über den ELK abtransportiert wurde.
Apropos Transport, der Kanal wurde für 1000-Tonnen Schiffe bis
zu einer Länge von 80 m konzipiert. Hauptsächlich Schüttgut
(Kies) und Massengüter (Baustoffe, Holz, Futtermittel, Zucker,
Sirup, Koks) wurden und werden auch noch heute transportiert. Die Kombination
aus Schleusenbetriebszeiten und zulässiger Höchstgeschwindigkeit
(meist 10 km/h) erlaubt es, die Kanalpassage in einem Tag zurückzulegen.
Diese
Binnenschiffe sind nicht so ohne. Lautstark tuckernd
kann man sie gar nicht überhören, und bei der Geschwindigkeit
brauchen sie eine ganze Weile, bis sie einen Paddler eingeholt haben.
Da der Kanal – relativ zum Schiff gesehen - schmal und flach ist,
saugt der Kahn am Bug richtiggehend das Wasser weg. Als die Bugspitze
neben mir war, und am Ufer der Wasserstand dramatisch sank, hatte ich
das Gefühl, dass ich mit weggesaugt werden würde. Viel Platz
ist nicht zwischen Kahn und Ufer, ein paar Meter. Doch das Herzklopfen
wird dadurch wieder wettgemacht, dass man auf der Heckwelle super surfen
kann. Kurz vorm Heck des Kahns ist der höchste Punkt der Welle,
und auf ihr ritt ich fast 2 km lang mit. Der Kapitän lachte mir
zu, der fand das wohl lustig, mich als „Trittbettfahrer“
dabei zu haben.
Hinter
dem früheren Grenzübergangsposten Büchen
folgt die Schleuse Witzeeze. Ab hier bis kurz unterhalb
der siebten Schleuse bei Lauenburg wirkte der Kanal relativ eintönig
auf mich. Die Uferseiten sind gerade und bedeicht, so dass dem tiefliegenden
Paddler die Sicht aufs Land versperrt wird. Dann endlich, nach einer
letzen Schleusung und einem kurzen Stück Strecke durch eine Werftanlage:
die Elbe. Herrlich, die Weite, die Strömung.
Als Fazit kann ich sagen, dass die Kanalfahrt ein angenehmes und sehr
abwechslungsreiches Erlebnis war. Dank Vatertag war sehr viel Sportschifffahrt
unterwegs, und auch auf den Uferwegen war einiges los. Ansonsten ruht
der Kanal eher im Dornröschenschlaf und gönnt einem Paddler
viele wunderschöne Natureindrücke.
Quellen: Wikipedia, Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice
ELWIS www.elwis.de/....
Text und Bilder: Doris Maicher